





21.12.2011
wie die Alemannia auf den Bären kam… 
Im Gründungsjahr der Alemannia, 1907, wurden die Bewohner des verschlafenen Dörfchens Königstädten von einem ungewöhnlich kalten Winter heimgesucht. Schon früh viel Schnee und der Schwarzbach fror in seiner ganzen Länge zu. Die Zugvögel schienen das geahnt zu haben und verließen als böse Vorahnung so früh wie noch nie die Gemarkung. Gespenstische Ruhe lag auf den Feldern. Die Zeit stand still. Die Menschen der 400-Seelen-Gemeinde litten sehr unter der Strenge des Winters, schließlich waren die Hütten und Fachwerkhäuschen nicht isoliert und Doppelglas-Thermofenster waren noch nicht erfunden. Zwar durften die Menschen sich armdickes Holz aus dem Wald holen, was sie ohne Werkzeug mitnehmen konnten, doch die Vorräte gingen zu Neige. Zu allem Unglück kam hinzu, dass die Ernte im Sommer bescheiden ausfiel und die Vorräte gestreckt werden mussten. Und das Frühjahr war noch lang. Auch an Fussballspielen war nicht zu denken und die jungen Männer die im Frühjahr begeistert ihren Verein Alemannia aus der Taufe gehoben hatten, warteten mißmutig bis sie ihr Spielfeld hinter der Ortsschule, dort wo jetzt der Friedhof liegt, wieder unter ihre Schuhe bekommen konnten! Kunstrasen gab es damals noch nicht. Das Leben im Dorf lag in einem tiefen, schockstarren Winterschlaf. Eines Tages, kurz vor Weihnachten, bemerkte der Feldschütz des Ortes einen merkwürdigen Zug von klapprigen Pferdefuhrwerken, der dampfend auf dem zugefrorenen Alemannia-Sportplatz zum Stehen kam und sich geduckt im Kreis gruppierte. „Zirkus Garibaldi“ vermochte der Feldschütz die verwitterten Buchstaben mühsam zusammen zu fügen. Die Kunde, dass ein Wanderzirkus die neue Fussballwiese für ihr Winterquartier ausgesucht hatte, verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Ort, der plötzlich aus seiner Agonie zu erwachen schien. Schnell war der Gemeinderat alarmiert und stapfte wild entschlossen durch den verharschten Schnee auf die Eindringlinge zu. Das wollte man nicht dulden. Aus ihrem Fussballplatz, der ehrlich gesagt eher einer buckligen Ackerfläche ähnelte, sollten kein Stellplatz für umherfahrendes Zigeunervolk werden! Am Sportplatz angekommen hieß man einen zerlumpten Burschen den Zirkusdirektor zu holen. Er sei es selbst, meinte der junge Mann und man wolle doch nur um etwas Stroh und Wasser für die Tiere bitten und um Rast für seine Familie, die seit Wochen unterwegs sei und nirgendwo eine Bleibe bekommen habe. Man sei am Ende der Kräfte, wenn man nicht irgendwo etwas Hilfe bekomme. Nein, das sei unmöglich, harrschten die Dorfbewohner die Ankömmlings an. Ihnen ging es auch nicht gut, man habe kein Stroh und Heu übrig, die Ernte war schlecht und die Brunnen seien auch eingefroren. Der Zirkus müsse weiterziehen. Es täte dem Gemeindevorstand leid, aber die Wagen und Tiere zerstörten auch den neu eingesäten Fussballrasen des Vereins. Einige Kinder die mitbekommen hatten, dass ein Zirkus im Ort gestrandet war, hatten den Gemeindevorstand heimlich verfolgt und sich vorsichtig den Tieren genähert, die in der Kälte zittrig und hungrig keine Scheu vor den Kindern zeigten und auf ein paar Brotkrumen hofften. Ihre besondere Aufmerksamkeit beanspruchte vor allem ein riesiger brauner Bär, dessen schmutziges Fell bereits etliche graue Stellen zeigte und der gewiß schon bessere Tage gesehen hatte. Der Bär war mit einer Kette, die ihm durch die Nase gezogen war, eng an einem der Wagen befestigt. Er bewegte seinen Kopf im monotonen Rhythmus hin und her, als ob er sagen würde, „die Menschen wollen uns nicht!“ Die Kinder näherten sich dem Koloss mit Neugier und Ehrfurcht. Noch nie hatten sie einen leibhaften Bären gesehen; sie kannten sie nur aus ihren Bilderbüchern. Auch wenn Alemano, so hieß das bemitleidenswerte Geschöpf, einen furchtbar erbärmlichen Eindruck hinterließ und mit trüben Augen durch die Kinder hindurch schaute, so musste er früher mal der erhabene und stolze König der Manege gewesen sein und dem Zirkus Garibaldi einen respektablen Ruf weit ins Land hinein verschafft haben. Die Kinder vereinbarten heimlich dem Bären und den anderen Tieren zu helfen. Sie sammelten Stroh, Heu und Essensreste aus den Schweineställen und brachten es heimlich zu den Zirkusleuten. Doch dabei wurden sie vom Jugendtrainer der Alemannia beobachtet, der es sofort dem Gemeindevorsteher meldete weil er um seinen Fussballplatz fürchtete. Der Bürgermeister persönlich empörte sich wiederum bei den Eltern der Kinder über so viel Ungehorsam und verbat sich jegliche Unterstützung der Fremden. Um so schneller zögen sie wieder weiter. Die Kinder protestierten kleinlaut; wiesen auf das bevorstehende Weihnachtsfest hin, auf Maria und Josef, die auch keine Herberge fanden, auf Ochs und Esel, die ohne den Stall draußen furchtbare Not gelitten hätten. Doch nichts schien die zu Eisklumpen gefrorenen Herzen der Königstädter zu erwärmen. Auf die kleine, dreijährige Klara, die Tochter des Jugendtrainers, die mit den großen Kindern nicht mit durfte, achtete niemand. Sie tat es den Großen nach und sammelte ein paar Äpfel und trockenes Brot in ihren Korb und stapfte von allen unbemerkt durch den sich langsam legenden Tag in Richtung des Zirkus. Der Bär nahm die Gaben der kleinen Klara dankbar an und zum ersten Mal seit ihm die Menschen in der Mange zugejubelt hatten, erkannte er sie wieder. Klara kraulte ihm unerschrocken das Fell und das wilde Tier ließ sie nur zu gerne gewähren. Darauf war es dunkel geworden und das Mädchen erkannte die spärlichen Lichter des Dorfes kaum noch. Doch sie fürchtete sich nicht, hatte sie doch in Alemano den stärksten und aufmerksamsten Beschützer den sie sich vorstellen konnte. Der Bär erfasste die Situation und legte sich bereitwillig auf die kalte Erde und ließ Klara in sein Fell kuscheln, wo es warm und mollig war. Im Dorf war bereits helle Aufregung. Die Eltern bemerkten das Verschwinden ihrer Jüngsten und verständigten aufgebracht den Dorfpolizisten und den Gemeinderat. Ihnen wurde sofort klar, dass sich die Zirkusleute an den Dorfbewohnern gerächt und das kleine Mädchen entführt hatten! Sicher waren sie schon über alle Berge und sie würden Klara niemals wiedersehen, die sicher später einmal durch brennende Reifen springen und sich von scharfen Messern bewerfen lassen musste. Wütend und mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnet versuchte die Menge die Wagenkolonne einzuholen. Doch das Lager lag ruhig da und eine kleine Petroleumlampe flackerte fast schon idyllisch in einem der Wagen. Die tobende Menge weckte die schlafenden Zirkusleute schon von weitem und man stand sich bedrohlich in der bitterkalten aber sternenklaren Nacht gegenüber. „Gebt sofort unser Kind heraus“, rief der aufgebrachte Vater der kleinen Klara den verdutzten Schaustellern zu und schwenkte wie alle anderen die mitgebrachten Waffen über dem Kopf. Zum Zeichen, dass sie entschlossen waren Klara aus den Klauen der Zigeuner zu retten. „Wir haben Euer Kind nicht, wir wissen nicht wo es ist!“, entgegnete der Zirkusdirektor dem aufgebrachten Mob und wich wie seine Leute vor den nachrückenden Königstädtern zurück. Plötzlich ertönte ein gewaltiges Brüllen, das durch Mark und Bein ging und sofort trat eine gespenstische Stille ein. Der Bär! Sie haben das Kind dem Bär zum Fressen vorgeworfen und jetzt verhöhnte er die Dorfbewohner mit einem gewaltigen Lachen. Sie stießen den Direktor wütend zur Seite und leuchteten in Richtung des angeleinten Bären, der sich jedoch nicht triumphierend vor den Bewohnern aufbaute, sondern friedlich auf der Erde lag. Sie wichen einige Meter zurück. Verblüfft, erfreut, entsetzt und rieben ihre Augen. Sie glaubten nicht was sie sahen. Das konnte nicht sein; das widersprach all dem was sie wussten und zu denken getraut hatten. Dort lag die kleine Klara selig in das Fell des Raubtieres gehüllt und schlief. Keiner der wütenden und zu allem entschlossenen Dorfbewohner machte Anstalten das Kind aus den Klauen des Bären zu retten; so friedlich schlief es. Man traute sich nicht es zu wecken. Wie das Jesuskind in der Krippe, das auch von Ochs und Esel gewärmt wurde, murmelten einige und die Menge erkannte, dass sie den Fremden Unrecht getan hatten. Einige richteten ein Gebet in den sternenübersäten Himmel und vermeinten einen großen Stern zu erkennen, den sie noch nie gesehen hatten und der direkt über ihrem Sportplatz stand. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Die Königstädter erlebten die schönsten Weihnachten, an die sie sich erinnern konnten. Sie teilten bis ins Frühjahr was sie hatten mit dem Zirkus. Die Kinder besuchten so oft es ging die Tiere, brachten kleine Leckereien mit und durften auf den Ponys reiten, so oft sie wollten. Der Bär wurde nur noch mit einem langen, dünnen Strick befestigt und hatte genügende Auslauf. Und Klara durfte ganz nah an ihn herantreten und ihn streicheln. Bei ihm schlafen durfte sie jedoch nicht mehr, was ihr auch nichts ausmachte. Kurz bevor der Zirkus Garibaldi weiter zog, das Eis war schon aus dem Boden gewichen und erste warme Sonnenstrahlen ließen den Frühling erahnen, auch die Zugvögel trafen von ihrer langen Reise nach und nach ein, veranstaltete der Zirkus eine Gratisvorstellung für das ganze Dorf. Und als Alemano stolz und majestätisch die Manege betrat und seine erstaunlichen Kunststückchen vorführte klatschten die Königstädter ausgelassen und glücklich Beifall. Als der Zirkus weiter zog rang man dem Zirkus das Versprechen ab, im kommenden Winter wieder auf dem Fussballplatz Quartier zu nehmen. So toll sei der Platz nun auch nicht, dass man ihn schonen müsse. Und Naturdünger sei das beste was es gäbe. Die Vorkommnisse haben sich natürlich herum gesprochen. In Nauheim und Bauschheim, bis hinunter nach Leeheim und Stockstadt lachte man über die kleingläubigen Königstädter, die sich selbst einen Bären aufgebunden und sich mit ihren Vorurteilen einen Bärendienst erwiesen hatten!
So begleitet der Bär als Wappentier der Alemannia, wie der Adler der Eintracht und der Geißbock der Kölner, seit über hundert Jahren unsere Alemannia durch dick und dünn….
Roman Kotyga

Im Jahr 1907 hatte der Ort nahezu 1200 Einwohner. Die überwiegend bäuerlichen Familien lebten zumeist im alten, hufeisenförmigen Ortsteil. Im neuern südlichen Teil, wie in der Nauheimer, -Astheimer- und Kirchstrasse wohnten mehr Handwerker, wie Maurer, Zimmerleute, Schlosser, Weißbinder und Tagelöhner, die ihre Arbeit in den umliegenden Städten fanden. So waren zum Beispiel viele Arbeiter bei der Nähmaschinen,- Fahrrad,- und Automobilfabrik Opel beschäftigt. Handwerker mit witterungsabhängigen Berufen verdienten oft ihren Lebensunterhalt im Winter mit "Holz schlagen" im Königstädter "Domanialwald". Arbeitslose gabe es so gut wie gar nicht. Im gesamten Dorf herrschte ein relativer Wohlstand. So befanden sich in Königstädten:
6 Wirtschaften - 8 Krämerläden - 2 Metzgereien - 4 Bäckereien - 1 Bierbrauerei (!) - 3 Schreinereien - 2 Schlossereien und 2 Schmieden. Und in 2 Häusern wurde "Mainzer Handkäs`" hergestellt.

Königstädten hatte seit 1900 mit Adolf Korell einen herausragenden Pfarrer und wortgewandten Prediger. Er war aber auch ein politisch aktiver Mann als Mitglied in der National liberalen Partei. Von 1912 an war er als mit großer Mehrheit gewählter Landtagsabgeordneter in Darmstadt mit der Schulpolitik befasst. Von 1920 - 1933 sogar als Reichtagsabgeordneter in Berlin tätig. Mit dem späteren Bundespräsidenten Theodor Heuss war er eng befreundet. Vor der Vereinsgründung der SV Alemannia 07 gab es in Königstädten bereits den Gesangverein "Frohsinn", den Turnverein 1888, einen Krieger- und Militärverein, den Volksbildungsverein sowie den Radfahrerverein von 1904.
Es existierte also mit dem TV 1888 schon ein Sportverein - aber dort spielte man keinen Fussball. Das aus England importierte Spiel war schon kurz nach der Jahrhundertwende für viele junge Königstädter Burschen eine große Herausforderung. Der fortschrittliche Pfarrer Korell verstand die Jungen und teilte sogar deren Leidenschaft. Er kann als der eigentliche Initiator zur Gründung der Alemannia gesehen werden. Bei der Gründungsversammlung im Gasthaus "Zum Deutschen Kaiser", in der Rathausstrasse 3, fungierte Korell als Wahlleiter (siehe Foto). Mit seinen Erfahrungen aus politischen Versammlungen und Wahlvorgängen war die Vereinsgründung ein einfacher und leichter Vorgang.
Als der Verein unter Dach und Fach war, konstituierte sich der allererste Vorstand, mit seinem ersten Vorsitzenden Heinrich Walter, einem Landwirt, der später in der Nauheimerstr. 43 seinen Hof hatte. Fünf Vereinsgründer kamen aus Rüsselsheim und Nauheim, waren allerdings in Königstädten beschäftigt.

in in Belgien

Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 wurden nahezu alle Fussballspieler zum Wehrdienst eingezogen. Zwangsläufig wurde dadurch der Spielbetrieb unterbrochen. Schon in den ersten Kriegstagen mussten drei Vereinsgründer im Westen ihr Leben lassen. Wie oben an den Namen zu ersehen ist. Zwei Jahre nach Kriegsbeginn wurde das Vereinsleben wieder aufgenommen. Es fanden sich einige junge Fussballer die den Spielbetrieb fortsetzten. (Erste Protokollaufzeichnungen liegen der Festschrift-Redaktion ab Mai 1917 vor). Im folgenden eine Kopie der Protokolleintragung vom 3. Juni 1917. Interessant dabei, dass es damals sehr beliebt war mit Sechser-Mannschaften zu spielen.

Die Gemeinde Königstädten hatte dem Fussballverein 1916 in der Gemarkung "an der Fuchstanne" einen neuen Sportplatz zugeteilt. Gefürchtet waren die "Sechs" aus Königstädten für die Mannschaften aus der Umgebung. Man spielte mit: einem Torwächter, einem Verteidiger, Läufer, Sender, Stürmer rechts und links.

Bis 1919 spielte die Alemannia noch "wild" und gehörte keinem Verband an. Ein Jahr später trat man dem Süddeutschen-Fussballverband bei und begann in der B-Klasse zu spielen.

Günther Förster stöberte bei den Vorbereitungen zum Jubiläum in alten Unterlagen und entdeckte dabei ein Lied, das vor langer Zeit nach Turniersiegen, Meisterschaften und zu anderen besonderen Ereignissen ,,geschmettert" wurde. Die Älteren werden es sicher noch kennen. Die Jüngeren vielleicht die Nase rümpfen über den etwas ,,angestaubten" Text, insbesondere den ,,kernigen" Refrain! Allemal ist das Lied ein Zeitdokument, das etwas von der Bereitschaft ausdruckt, sich mit dem Verein zu identifizieren, was heute nicht immer selbstverständlich ist. Da interessanterweise Vereinshymnen wieder einen gewissen Stellenwert erreicht zuhaben scheinen, wäre die Überarbeitung des Alemannia - Liedes vielleicht eine Überlegung wert.
,Hätte ich ein Königreich
was darinnen wär, das wär mir gleich.
Alle Mädchen, hübsch und fein,
müßten alle grün und weiß gekleidet sein.
Refrain:
Ja, wir GRÜNWEIßEN
wir sind aus Eisen,
wir sind aus Stahl ,
H i p p H i p p Hurra!
Grün und Weiß wie lieb ich Dich,
Grün und Weiß, wär’ auch ein Gruß für Dich.
Aber weil ich ein Fußballspieler bin, ja bin,
geht das Grün und Weiß mir nicht mehr aus dem Sinn.
Refrain:/.../
Mohammed war ein Prophet,
der von Farbenpracht recht viel versteht,
und aus all der Farbenpracht
hat er sich Grün und Weiß ja ausgedacht.
Refrain: /.../
R ü c k - B l i c k....
"Die Alemannia und die seltsamen Straßenkämpfer!"
Geschichten und Anekdoten aus vergangenen Tagen
Vieles was im folgenden erzählt wird, wurde bereits zum 90-jährigen Jubiläum aufgezeichnet. Als ein von Günter Förster einberufener "Stammtisch" ehemaliger Denker und Lenker der Aufbaugeneration nach dem Krieg auch jetzt zusammen kam, war die Resonanz ebenfalls groß.Altes wieder aufgefrischt, in andere Zusammenhänge gesetzt, Vergessenes hervorgeholt: Augenzeugenberichte, die ein buntschillerndes Porträt eines Vereins zeichnen, den es so nicht mehr geben kann, weil die Zeiten nicht besser, aber anders waren.Wiewohl schon manchmal durchschimmert, dass Kameradschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl zu den Grundfesten des Vereinslebens gehörten.Damals wie heute erzählten die Protagonisten eher distanziert, fast protokollarisch und ließen keinesfalls den verklärten Geist der entbehrungsreichen Wiederaufbauzeiten aufsteigen.
Karl Walter, Königstädtens umtriebiger "Dorf-Chronist", der noch an anderer Stelle zu Wort kommt, berichtet von den Anfängen der Tischtennisabteilung. In der Wirtschaft Stoffel stellte man einfach vier Wirtshaustische zusammen und begann mit viel Stückwerk und noch größerer Begeisterung. Bald war die erste Platte gezimmert und die ersten sportlichen Wettkämpfe wurden angenommen. Ein Problem blieb viele Jahre ein festes Domizil. Die Idee entstand, sich einen festen Standort zu schaffen. Doch woher das Geld dafür nehmen ?

"Das legendäre Bausteingeld!"
Es war die Zeit der Währungsreform, Geld und Material knapp. Da verfiel man auf die Idee, wie Karl Walter zu berichten weiß, "Bausteingeld" einzusammeln. Als spendables Beispiel sollte der damalige erste Vorsitzende Heinrich Maier dienen. "Doch Pustekuchen", der Maier legte uns gerade mal drei Mark in die Büchse! Wie sollte das weitergehen, wenn der erste Mann im Verein so knauserig ist ?" Man wusste sich Rat. Kurzerhand wurde eine "Null" zur Drei hinzugeschrieben und die Sache sah viel stattlicher aus! "Und hatte die erhoffte Wirkung", schmunzelte Walter im nachhinein über die kleine Notlüge. "Als unser Rechnungsführer, der Schick Hainer, die "Dreißig" sah, ließ er sich seinerseits nicht lumpen und legte einen Zwanziger rein! So nahm das Bausteingeld einen guten Verlauf...!
"Wie die Alemannia zu violetten Trikots kam!" Ein geradezu sprudelnder Quell an Geschichten und historischen Zusammenhängen war und ist der Wiedergründer und langjährige Vorsitzende der Alemannia Georg Schäfer. "Als die ersten aus dem Krieg zurück kamen wurde im März 1946 die "Sport-und Kulturgemeinschaft Königstädten" gegründet. Andere Sportvereine wurden von den Alliierten nicht zugelassen. Erst 1949 konnten wir unseren alten Namen wieder annehmen. 1946 begannen wir Tischtennis zu spielen. Das erste Netz und Schläger haben wir im Tausch mit 3 Ringen Fleischwurst erstanden. Mit der Sammelaktion von Karl Walter und seinen Mannen und einem damals bescheidenen Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig konnten wir 1948/49 ein kleines Häuschen am jetzigen Sportplatzgelände bauen. Damals ging es auch los mit den sportlichen Wettkämpfen. Mancher spielte vormittags Tischtennis und eilte dann zum Fussball." "Auch Jugendspiele gab es damals schon. Mancher hatte mit unangenehmen Umständen zu kämpfen, bis er dem Leder hinterherlaufen konnte.

Wenn nicht die Kirchenglocken geläutet waren", weiß ein anderer zu berichten, dessen Vater Kirchendiener war," konnte ich`s vergessen oder kam nach!" Wie es zu den violetten Trikots kam, weiß Georg Schäfer. "Trikots gab es damals nur über die Militärregierung. Der Tropsche Karl hatte irgendwie Beziehungen dorthin und besorgte uns wunderbare blaue Trikots. Gekickt wurde in Straßenstiefeln. Jedenfalls stolz wie Oskar rückten wir mit unseren blauen Leibchen zum Spiel an. Doch oh Graus, auch der Gegner trug blaue Hemden wie wir! Danach erfuhren wir, dass alle Mannschaften mit Einheitsblau ausgestattet wurden. Was tun ? Wir suchten Schorsch Biebel, den Schaubudenbesitzer auf und fragten ihn nach Rat. Schorsch meinte, kein Problem, ich färbe sie euch und warf sie kurzerhand in einen großen brodelnden Kessel. Wir fürchteten um unsere wunderschönen Trikots, doch Schorsch hat das hinbekommen. Nur, dass sie dann plötzlich violett waren! Aber die haste später waschen können, die sind nie eingelaufen oder verfärbt!"
Überhaupt waren die ersten zaghaften Versuche etwas Normalität ins sportliche Leben der damaligen Zeit hineinzubekommen oft von Widrigkeiten begleitet. Gespielt wurde zumeist auf Äckern, Stoppelwiesen mit Löchern und Maulwurfshügeln, Schotter- und Schlackeplätzen. Tore wurden selbst gezimmert, Tornetze bestanden aus Maschendraht, den man sich irgendwo besorgte.

Trainiert wurde bei Wind und Wetter. War der Platz unbespielbar lief man dort wo Straßenlaternen notdürftig Licht boten oder sammelte sich später unter dem einzigen Lichtmast auf dem Sportplatz, den man kaum als "Flutlicht" bezeichnen konnte. Umkleidekabine war ein Fremdwort und frommer Wunsch. Dreckig und speckig lief man nach dem Training schnell nach Hause, wusch sich, zog sich um und lief eilig zur Spielersitzung zur Kino-Lore oder sonst wohin. Im Sommer war immerhin eine Wasserpumpe verfügbar. Kostbar wie Gold waren die Bälle. Sie wurden wie Augäpfel gehütet, gepflegt und ausgebessert. Damals waren sie noch aus echtem Leder. Zur Ausstattung des Platzwartes gehörte entsprechendes Flickzeug. Ging einer beim Spielen verloren, mussten alle Mann in den Wald ihn suchen. Vorher ging es nicht weiter. "Hallentraining" fand am Anfang bei eben jener legendären Kino-Lore im Tanzsaal statt oder später auch im Kaisersaal, bis die ersten Schulturnhallen entstanden, war`s noch ein weiter Weg. Abenteuerlich, weiß Artur Keil zu berichten, waren die Anreisen zu den Auswärtsspielen!

"wie viel Spieler passen in einen Olympia ?" Mit Kriegsende war auch der öffentliche Personenverkehr zusammengebrochen. Zu den Wettkämpfen versuchte man allem habhaft zu werden, was irgendwie und halbwegs bequem war. Meistens ging es allerdings auf Schusters Rappen in die umliegenden Ortschaften. Von einer "göttlichen Fügung" erzählt nun Artur Keil. "Es sollte mein erstes Spiel für die Alemannia werden, Sonntag Mittag in Ginsheim. Wir sahen es schon kommen, dass es wieder heißt, schlecht per Rad fahren oder gut gelaufen! Wir hatten darauf, würde man heute sagen, keinen Bock. Da hörten wir es plötzlich rattern und knattern. Welch liebliches Geräusch in diesem Moment. Hans Kuhn kam mit seinem uralt LKW mit Holzvergaser um die Ecke geschnauft. Als Fussballfreund ließ er sich erweichen und unter großem Jubel machte er einen "kleinen" Umweg nach Ginsheim, nachdem wir noch ein paar Sitzbänke beim Stoffel ausgeliehen hatten. Die Ginsheimer waren beeindruckt und wir hatten unseren Spaß. Später hat sich das gelegentlich wiederholt und Kuhn mit einem Ami-Laster von seiner Arbeit mal schnell einen Abstecher zu uns gemacht. Immer klappte das allerdings nicht. In Wallerstädten warteten wir in eisiger Kälte auf unseren Chauffeur, der aber nicht kam. So hieß es zu Fuß den Rückweg antreten. Verfroren und hungrig kamen wir erst im Dunkeln in Königstädten an!"
Der mittlerweile verstorbene Heini Dammel gab in seiner unnachahmlichen Art auch eine Geschichte zum Besten.
"Es sollte zum Spiel nach Dornheim gehen. Doch wie dort hinkommen ? Wir sind uff de Gass rumgehippt. Unser Trainer der Seel Phillip musste arbeiten. Wir sahen das Spiel schon flöten gehen. Der Stoffel Karl-Heinz, der die Gass kehrte, hat unsere betröppelten Mienen gesehen und sich wohl davon erweichen lassen. Auf Jungs, hat er gerufen, alle Mann in meinen Opel-Olympia. Was ham die Dornheimer Bauklötzer gestaunt, als 11 Spieler nacheinander dem Auto entstiegen!"
Ebenso wichtig wie die Wiederaufnahme der geregelten sportlichen Betätigung war in den vierziger und fünfziger Jahren das kulturelle Leben in unserem Verein, ist sich Georg Schäfer sicher.Das Bedürfnis war groß nach dem Krieg, ausgelassene Feste zu feiern und Sorgen und Nöte zu vergessen. "Maskenbälle", führt Schäfer aus, zählten zu den traditionellen Feiern der Alemannia. Lange Jahre beim Stoffel, später im Kaisersaal, waren Lumpenbälle absolute Ereignisse. Mit Albert Mitzkat als treibende Kraft in der Kulturabteilung, kümmerte man sich um Kostüme, Büttenreden und das ganze Drumherum.

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Maskerade … „Alemannen in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ |
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Gesellschaftliche Höhepunkte: Albert Mitzkat und der Elferrat, 1955 mit dabei, v.l.n.r. J. Rothenstein, W. Keil, M. Karwart, H. Preuß, K. Stoffel, H. Schäfer, W. Melchior, Helm, H. Stephan |
Einmal hatten wir einen tollen Aufhänger für die Kampagne! Das Lied der Theodor, der steht bei uns im Fussballtor war gerade in aller Munde. Zufällig hieß auch unser Tormann so. Das mussten wir irgendwie einbringen. Kein Problem, meinte der Weißbinder Geier, holte sich einen Eimer weißer Farbe und pinselte nachts heimlich auf Königstädter Hauswände: "Auf zum Theodor!"
Zurück zum Fussball!
Zu Beginn der 60-er Jahre wurden die Verhältnisse langsam besser, weiß der erste Trainer der Alemannia, Dieter Bernhardt, zu berichten. "Am Buß-und Bettag 1961 setzten wir einen Lichtmast. Mitten im Graben und Kabelverlegen begann es zu schneien und wollte nicht mehr aufhören. Doch der Mast wurde von den Helfern gesetzt und bei mittlerweile fast 20cm Schnee auch das erste sehnsüchtig erwartete Trainingsspielchen durchgeführt. Bei fahlem Licht aber heller Begeisterung!" Überhaupt, pflichten ihm Spieler und Verantwortliche bei, waren Teamgeist und Zusammenhalt ausschlaggebend für den ersten sportlichen Höhepunkt: Meister 1963 und Aufstieg in die A-Klasse!

Die damaligen Meisterspieler, die Brüder Langhammer, sehen einen Grund bessere Mannschaften damals hinter sich gelassen zu haben, auch in der Fitness. "Wir brummten, besonders ohne Ball und liefen unsere Gegner tot", liefern die Brüder ein Erfolgsrezept, das sicher noch heute aktuell ist. Angemessen "begossen" wurde der Meistertitel natürlich auch, bestätigen die Brüder, dass man keine Kinder von Traurigkeit war. "Strassenkämpfer war unter uns Fussballern bei der Kino-Lore das absolute Getränk! Schwarzer Johannisbeerwein, getrunken wie Saft, da er ja süß war. Draußen an der frischen Luft hat`s dir glatt die Füsse weggerissen...!"
Mit der Grundsteinlegung für das Vereinsheim wie es sich heute zeigt begann 1966 ein neues Kapitel in der Historie der Alemannia. Mit über 40 Helfern wurde in wenigen rekordverdächtigen Monaten der Rohbau hochgezogen. Doch plötzlich stockte der Weiterbau, so Georg Schäfer über bürokratisches "Hindernisrennen". "Es wurde Winter, der Rohbau stand, das Gebälk war drauf, doch der Zuschuss für das Dach stand noch aus, den wir jetzt dringend bräuchten. Was tun ?
Eine Krisensitzung jagt die nächste, bis wir kurzerhand beschlossen alles auf eine Karte zu setzen. Die Dachdeckerfirma wurde beauftragt das Dach zu decken. Mit der Rechnung suchten wir den SPD-Politiker und Landtagsabgeordneten Martin Schlappner auf und hielten sie ihm energisch unter die Nase. Innerhalb weniger Tage war das Geld auf unserem Konto..."

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Vordere Reihe v.l.n.r.: Mario Buscarini, Ersnt Trumpfheller, Dieter Bernhardt, Waldemar Melchior, Heinz Stephan, hinten v.l.n.r.: Günther Förster, Heinz Link, Horst Moldenhauer, Ernst Langhammer, Bernhard Masur, Manfred Langhammer, Alois Zirm, Helmut Schick, Hans Schäfer |
„Die A l e m a n n i a - T a g e b ü c h e r“
1917 - 1963

Was zwischen die Buchdeckel zweier abgegriffener Kladden passt ist formal betrachtet die nüchterne Bestandsaufnahme des Vereingeschehens über einen Zeitraum von 100 Jahren. Die beiden noch vorhandenen Protokollbücher unseres Vereins sind jedoch mehr als das. Sie sind ebenso ein Spiegelbild der jeweiligen Epochen und gesellschaftspolitischen Ereignisse.
Die ersten Aufzeichnungen datieren vom 19. Mai 1917, als der erste Weltkrieg tobte. Der Verein existierte bereits fast zehn Jahre. Keiner weiß ob aus dieser Zeit je Aufzeichnungen existiert haben oder wo sie im Zeitenlauf verschwunden sind. Schriftführer Adam Biebel vermerkte knapp, dass man sich bei Georg Bärsch traf und die Aufnahme von Johannes Schick, Valentin Pinkel und Karl Schmid beschloss. Georg Bärsch war seit 1888 Bürgermeister von Königstädten und stand bis zu seinem Tod 1921, fast 35 Jahre an der Spitze der Gemeinde. Er war ein Förderer des Vereins.
Die erste vorhandene sportliche Eintragung vom 3. Juni des gleichen Jahres weiß von einem 6-er Mannschaften-Turnier in Dornheim zu berichten (mehr dazu im Bericht von Karl Walter an anderer Stelle!). Interessante Fußnote dabei, dass der „Spielgestalter“ damals „Sender“ genannt wurde, in enger Anlehnung an die englische Bezeichnung „sent“, den Ball „verschicken“.
Doch schon in den Anfangsjahren wurden „Vergehen“ durch Satzungsbestimmungen hart geahndet. Die Zeugnisse wissen von Vereinsausschlüssen wegen nicht bezahlter Mitgliedsbeiträge zu berichten. Unentschuldigtes Fernbleiben bei der Generalversammlung wurde mit einer Geldbuße bestraft!
Trotz dieser Maßnahmen war die Vereinskasse in den wirtschaftlichen harten Zeiten der 20-er Jahre immer klamm. Dies bewog am 21.10. 1921 den Rechner Adam Friedrich zum Rücktritt. Alsdann erklärte der Vorstand ausstehende Zahlungen an die Fussballspieler auszusetzen, und der Vereinskasse zuzuführen.
Am 4. November des gleichen Jahres - 14 Jahre nach Gründung des Sportvereins - sprach der 1. Vorsitzende Adam Biebel zum „ferneren Blühen und Gedeihen unseres Vereins“, ein dreifaches „Hipp, Hipp Hurra!“ aus. Damit einher ging in der gleichen Versammlung eine einstimmig beschlossene Satzungsänderung.
Im Paragraph 1 wurde ausdrücklich die Förderung der Geselligkeit unter den Vereinsmitgliedern postuliert. Durch die gesetzliche Einführung einer sogenannten „Lustbarkeitssteuer“, verzichtete man kurzerhand darauf und umging so geschickt die bizarre gesetzliche Vorgabe.

1921 stellte man sich wie folgt auf:
Oben von links: Adam Biebel, Hannes Schaffner, Heinrich Mayer
Unten von links: Heinrich Friedrich, Peter Neumann, Johannes Schick
Die sich ausbreitende Inflation in Deutschland mit dem rapiden Verfall der Währung trieb auch in den Vereinen ihr Unwesen. So betrug der monatliche Mitgliedsbeitrag 1923 für Aktive 30000,- Mark. Für Jugendliche die Hälfte. Vier Monate später wurden sage und schreibe 100 Milliarden, bzw. 50 Mrd. Mark erhoben.
Dass schon damals öffentliches Rauchen verpöhnt gewesen zu sein schien belegt die Bestrafung zweier Spieler mit jeweils 100 Mrd. Mark für Tabakgenuss in Sportkleidung. Für das sicher stolze Tragen des Trikots (oder in Ermangelung anderer Oberbekleidung...?) während der Arbeit erhob der Vorstand die drakonische Strafe von 500 Mrd. Mark.
Der Verein wurde davon bei damals 77 Mitgliedern nicht reicher. Vielleicht haben diese Maßnahmen auch dazu beigetragen, dass der Sportverein 1924 in eine echte sportliche Krise geriet. Wichtigere Gründe werden die Sorge vieler junger Menschen um Existenzsicherung, Ausbildung und Arbeit gewesen sein.
So diskutierte der Vorstand im Tagesordnungspunkt 1 der Sitzung vom 15. August, die „sportliche Lage“, das „immer mehr sinkende Interesse der Mitglieder am Verein“. Keine Erfindung der Neuzeit ist somit der Vorschlag einer Fusion, die bereits mit Viktoria Hassloch vorverhandelt wurde.
Die daraufhin einberufene Generalversammlung, sowie eine Folgeveranstaltung blieb ergebnislos, weil beschlussunfähig! Zu wenige folgten der Einladung. Ob sie eine Strafe zahlen mussten geht aus den Eintragungen jedoch nicht hervor...
Der Verein hatte mit den Füssen abgestimmt und eine Fusion verworfen.
Diese Entscheidung versetzte den Verein in einen Art „Winterschlaf.“
Erst im März 1925, also mehr als ein halbes Jahr nach der Weigerung der Mitglieder dem Vorschlag ihrer Führung zu folgen, erwachte das sportliche Leben, wie es Vorsitzender Adam Biebel beschreibt, wieder langsam. Doch es sollte nochmals ein halbes Jahr dauern, bis wieder erste Wettkämpfe stattfanden.
Durch den Beitritt des Vereins in den „Arbeiter- Turn- und Sportbund“ normalisierte sich nicht nur der Spielbetrieb der Fussballer. Auch politische Veränderungen in der Weimarer Republik und offenkundige Bekenntnisse zu politischen Lagern wurden in den Protokollen zum Ende der 20-er Jahre deutlich.
Schriftführer Johann Best führt zu Überlegungen wie man das 20-jährige Vereinsjubiläum 1927 feiern könne aus, das „Genosse Biebel“, seinen Antrag begründet, das 20-jährige Vereinsbestehen „festlich zu feiern“.
Als klare politische Aussage wurde bei der Generalversammlung am 15.1.1927 der Antrag der Genossen Mayer und Schäfer angenommen, dass kein Vereinsgenosse des Arbeiter -Turn- und Sportbundes gleichzeitig einem bürgerlichen Verein angehören dürfe...
Sechs Jahre nach diesem Beschluss wurde der Arbeiter- Turn-und Sportbund von den Nationalsozialisten verboten. Über viele Jahre fiel der SV Alemannia Königstädten in einen „Dornröschenschlaf“.
Manche Mitglieder schlossen sich dem TV 1888 Königstädten an, um dort weiterhin Fussball spielen zu können.

Die 1. Mannschaft zu Beginn der 30-er Jahre:
v.l.n.r.: M. Rendel, Heinrich Mayer, Leonhard Reviol, Heinrich Schick, Adam Biebel, Heinrich Mitzkat, Reinhard Schick, Ludwig Förster, Ludwig Rothenstein (Betr.), unten Johannes Schick, Jakob Rothenstein, L. Beckenhaub
Fast zwanzig Jahre sollte sich keine protokollarische Aufzeichnung in den Büchern wiederfinden. Erst am 9. April 1946 beendete die Aufbruchstimmung einiger Königstädter Männer unter Vorsitz von Kurt Link die 12-jährige Agonie. Unter dem Namen „Sport- und Kulturgemeinde Königstädten“(andere Vereine waren von den Alliierten nicht zugelassen) regte sich erstes sportliches Leben in dem vom Krieg stark gezeichneten Dorf.
Sofort nach der „Heuernte“, im Juli 1946, beschloss der Vorstand entsprechende Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Fussballspielens zu treffen. Der Platz am alten Friedhof wurde wieder hergestellt. „Werbeabende“ (heute wohl „Tag der offenen Tür“) und „Sportplatzwochen“ waren erste Maßnahmen neue, bzw. verloren gegangene Mitglieder zu gewinnen.
Bei aller freudigen Aufbruchstimmung war die Not noch groß im zweiten Nachkriegswinter und Organisationstalent gefragt. Zur Nikolausfeier 1946 sollten Mitglieder je 100 Gramm Brot, 10-15 Gramm Fett und 1 Löffel Zucker spenden, damit u.a. auch den Kindern ein Nikolaus gebacken und geschenkt werden könne, deren Väter noch in Gefangenschaft oder umgekommen seien.

Am zweiten Feiertag wolle man sich zu einem Familiennachmittag mit Tanz und Theaterstück versammeln. Überhaupt waren die ersten Nachkriegsjahre geprägt von dem Bemühen die schreckliche Zeit der Entbehrungen und Verbote so schnell wie möglich vergessen zu machen. In den Protokollen ist weit weniger über sportliche Beschlussfassungen zu lesen, denn über kulturelle Veranstaltungen wie Tanzabende oder Maskenbälle und Kappenabende.
An Fussballspielen in geordneten Bahnen war erst allmählich zu denken. Es fehlte vor allem an der Sportbekleidung, an Schuhen und auch an geeigneten Fachkräften die jungen Menschen wieder an Disziplin und Ordnung zu gewöhnen. So wurde in Ermangelung eines geeigneten Kandidaten ,1947, in höchster Not der Ortslehrer Höche gebeten die Aufgabe des Jugendleiters zu übernehmen, was dieser dankend ablehnte. Hoheitlich kümmerte sich der Gesamtvorstand bis auf weiteres um die jungen „Wilden“.
Im folgenden galt der Sportplatzgestaltung und der Gründung eines Vereinsmittelpunktes, für den 1949 wieder in SV Alemannia Königstädten umbenannten Verein, höchste Priorität. Auch die Aufgaben eines Platzwartes wurden detailliert beschrieben,
> Ausschellen der jeweiligen Bekanntmachungen,
> Anheften von Plakaten, betr. Fussballspiele, Tanz- u. sonstige
Veranstaltungen
> Herbeischaffen von Sägemehl für den Fussballplatz...
Jedes Vorstandsmitglied wurde verpflichtet sich umzuhören wo es günstigen Maschendraht zu kaufen gäbe, um die Tore „einzufassen“. Zeugwart Förster erhält die Zusicherung für Schnürriemen und Fell zur Ausbesserung der Bälle. Ein Fussballer erhält vom Verein 20,- Mark als Entschädigung für seinen Lohnausfall, weil er sich bei einem Fussballspiel verletzt habe.
Auf die Verpflichtung eines Trainers für die Aktiven wird weiterhin verzichtet. Der Sportplatz soll ein Umkleidehäuschen erhalten. Tischtennis wurde in der Kinderschule gespielt. Bescheidene Mitgliederzahl: 92 zahlende Personen...
Schlaglichter des Jahres 1949!
1953, Vereinsausflug mit dem Bus nach Heidelberg mit Spielen der 1. und 2. Mannschaft. Anschließend Tanz. Der wirtschaftliche Aufschwung im Land macht sich auch in solchen Angeboten bemerkbar. Und der Hunger nach „Kultur“. Das Theaterstück „mag auch die Liebe weinen“ solle trotz „der Schwere des Inhalts“ wieder aufgeführt werden. Dazu soll der Leiter der Kulturabteilung, Wilhelm Schäfer, seine Schauspieler auffordern mitzumachen. Regisseur Förster forderte dazu erhöhten Arbeitseinsatz, um Plakate herzustellen zu verteilen und neue Bühnedekoration anzuschaffen.
War man damals schon eine Spaßgesellschaft ?
Der Leiter der Tischtennisabteilung Hermann Stier, beklagte sich über mangelhaften Trainingsbesuch und die Absage von Meisterschaftsspielen in der Kreisklasse. Jugendleiter Phillip Seel beschwerte sich bei gleicher Gelegenheit (1954, Jahreshauptversammlung) über unzureichende Unterstützung der Jugendabteilung durch ältere Mitglieder des Vereins.
Einen Schub erfuhr der Verein durch die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen 1957. Neben einem Anstieg der Mitgliederzahl auf fast 130, spülten die Veranstaltungen einen Gewinn von über 1000,-Mark in die Kassen, was dem Verein größeren finanziellen Spielraum bescherte.Tischtennis erhielt ihre zweite Platte und Trikots, die Theatergruppe zwei neue Landschaftskulissen, die Fussballer neue Sportbekleidung.
Zum legendären Thema „Rivalität mit Nauheim 07“, wissen die Bücher fast nichts auszusagen. Befragte ältere Vereinsmitglieder weisen im Gegenteil darauf hin, dass in den ersten Nachkriegsjahren mancherlei sportliche Unterstützung vom Nachbarklub erfolgte, so unter anderem durch den Wechsel eines Jugendtrainers zur Alemannia.
Dennoch fand sich dazu eine kleine Begebenheit in der Vorstandssitzung vom 15.1.1959. Einige Alemanniaspieler sollen an einem Auto vor dem Sportplatz in Nauheim eine Antenne „zerstört“ haben. Sie sollen “ermittelt werden und einen Verweis erhalten.“ Der Verein entschuldige sich und komme für den Schaden auf.
Die 60-er Jahre ließen den Verein heranwachsen und sportliche sowie bauliche Ziele realisieren. Der damalige Vorsitzende Georg Schäfer berichtet in der Generalversammlung 1962 mit Stolz vom neu angelegten Rasenplatz,“...in dem idyllisch gelegenen Waldgelände an der Nauheimerstrasse“ und dankte der Stadt Rüsselsheim für die Unterstützung.
Bis zur Realisierung des großen Traumes, ein eigenes Vereinsheim, sollte es allerdings noch etliche Verhandlungen mit der Stadt und Geldgebern dauern. Erst 1966 sollte es soweit sein.
Die letzte Eintragung im Protokoll-Buch des Vereinsvorstandes erfolgte am 14.6.1963. Sie war geprägt von der Erringung der Meisterschaft der 1. Fussball-Mannschaft in der B-Klasse Groß-Gerau und der Organisation einer „strahlenden“ Meisterschaftsfeier mit viel Prominenz...
Warum die Eintragungen hier abbrechen ist nicht bekannt. Möglich, dass sich in modernen Zeiten diese Übermittlung überholt hat und Protokollführer Albert Mitzkat auf technische Errungenschaften zurückgegriffen hat; sprich Schreibmaschine. Vielleicht war es inzwischen Pflicht allen Vorstandsmitgliedern das Protokoll zukommen zu lassen, mit Durchschlagspapier oder auf Matritze vervielfältigt. Jedenfalls endet damit ein Stück spannende, unnachahmliche Vereinsgeschichte...

